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Wo kommen die Pelzls her?
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Negermusik im Sudetenland
(rechts mein Vater)
(Wenn der Zusammenhang auf die Zeit vor 1946 verweist, benutze ich die alten deutschen Ortsnamen und setze die heutigen tschechischen oder polnischen Namen in Klammern dahinter, ansonsten benutze ich die heutigen Ortsbezeichnungen)

Angefangen hat alles 1985. Mein Vater bat mich, mit ihm in die ČSSR in seine alte Heimat zu fahren. Die 800 Kilometer mit dem Trabant nach Mohelnice schafften wir in einem Tag und kamen dort auf einem Campingplatz unter. Dann ging alles Schlag auf Schlag:

Der Campingplatz war genau an der Stelle, an der 1945 die Deutschen aus der Umgebung - unter ihnen seine Eltern und eine seiner Schwestern - interniert worden waren, bevor sie heim ins Reich mussten. Die andere Schwester war mit einem Tschechen befreundet und konnte den Eltern nachts -obwohl sie von den Posten bemerkt wurde - Nahrungsmittel zustecken. Dafür bekam sie dann in der Bundesrepublik von den Mit-Vertriebenen den Beinamen Tschechenhure.

(Mein Vater hatte 1945 Glück im Unglück, geriet in britische Gefangenschaft und wurde als Verwundeter in die Ostzone entlassen. Deshalb bin ich heute Ossi - so einfach ist das.)

Vater fand in seinem Dorf in der Nähe den Bauernhof auf dem er aufgewachsen war; er sah seine tschechische Kinderfrau - nun schon an die neunzig - im Garten. Er unterhielt sich plötzlich fließend tschechisch mit ihr. Wir besuchten die neuen Bewohner des Hauses. Hausherr war nun ein ehemaligen Panzermajor, der mit Svobodas Armee gemeinsam mit der Roten Armee seine Heimat befreit hatte..

Nach der Wende überlegte mein Vater, den Hof den neuen Bewohnern für eine Mark zu verkaufen, damit ein für allemal Ruhe wäre. Er wusste aus eigener Erfahrung, dass auch die neuen richtigen Deutschen immer alles wiederhaben wollen, was ihnen sowieso gehörte. Aber der Hof gehörte meinem Vater nicht mehr. Und was mit jedem popeligen DDR-Betrieb für eine D-Mark ging, ging hier nicht.
Dann war eine Weile Ruhe mit Familienforschung.
Meine Tochter brachte mir dann eines Tages eine Adresse und eine Telefonnummer mit von einem Pelzl, der ganz in der Nähe wohnte. Dieser erzählte mir am Telefon, dass es in den USA einen Pelzl gäbe, der zwei dicke Bücher über unseren Familiennamen geschrieben hatte:

Die neu gewonnene Freiheit nutzend, machte ich besagten Michael J. Pelzel ausfindig und der schickte mir zwei dicke Wälzer.

Michael J. Pelzel, Die Familien Pelzl/Pelzel/Pelcl einst und jetzt,
Gateway Press, INC., Baltimore, MD 1995 Bd. 1/2

Dort werden mit den entsprechenden Nachweisen (!) mehr als 55 Familienlinen mit über 3000 Pelzls aufgeführt.

Nun ging's mit der Familienforschung erst richtig los.

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der Hof 1996
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Michael's Bible